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Congregatio Jesu

Das Gemalte Leben

 

Es gibt 50 Gemälde, jedes 142 x 105 cm groß, die als ‘“Das Gemalte Leben Mary Wards“ bekannt sind. Diese Gemälde zeigen ihren spirituellen Weg. Sie sind im Mary Ward Saal in Augsburg in Deutschland zu sehen. Wir haben nur sehr wenig Information über die Herkunft der Bilder. Höchstwahrscheinlich wurden sie von verschiedenen Künstlern irgendwo zwischen Flandern und Tirol in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gemalt. Es gibt schriftliche Zeugnisse, die sie zwischen 1680 und 1717 in München einordnen. Wie sie nach Augsburg kamen ist unbekannt.
 
Die Initiative, die Gemälde in Auftrag zu geben, muss von Mary Wards ersten Gefährtinnen gekommen sein, weil die Gemälde die Geschichte ihres Lebens sehr detailliert erzählen. Ihre Biografie zu schreiben, wäre riskant gewesen, weil Mary Wards Institut von der Kirche verboten worden war. Einen Bilderzyklus - der ihre Geschichte erzählte - in Auftrag zu geben, verringerte das Risiko kirchlicher Zensur – obwohl sie nicht ganz auszuschließen war. Zu verschiedenen Zeiten verlangten die Bischöfe von Augsburg, sie von den Wänden des Augsburger Hauses zu entfernen. Während des zweiten Weltkriegs wurden die Gemälde abgenommen und versteckt; sie „überlebten“ deshalb die Zerstörung des Augsburger Hauses.
 
Die früheren Gemälde sind künstlerisch besser als die späteren. Sie erzählen die Geschichte von Marys Kindheit und Jugend, ihrer Berufung und der Gründung des Instituts. Viele der späteren Bilder sind künstlerisch nicht außergewöhnlich, aber sie enthalten eine Reihe tiefer spiritueller Erfahrungen, die wir aus den schriftlichen Quellen nicht kennen.
 
Die Inschriften auf den Bildern sind in Deutsch und wurden höchstwahrscheinlich Ende des 17. Jahrhunderts, nach der Fertigstellung der Bilder, eingefügt.
 
Copyright der Bilder des „Gemalten Lebens“. Geistliches Zentrum Maria Ward, Augsburg. Foto Tanner, Nesselwang, Deutschland.

 

  • 01
    Jesus war das erste Wort der kleinen Maria. Nach diesem kam monatelang kein anderes Wort ├╝ber ihre Lippen.
  • 02
    Maria wird in ihrem 10. Lebensjahr von ihren Eltern sehr angehalten, sich mit einem jungen Mann namens Redshaw zu verm├Ąhlen. Er stammte aus einer wohlhabenden adeligen Familie. Maria aber bittet Gott innig, die Heirat zu verh├╝ten, wenn sie nicht zu seiner Ehre und ihrem Seelenheil gereiche. So geschah es auch.
  • 03
    In ihrem 10. Lebensjahr fiel Maria so gef├Ąhrlich zu Boden, dass sie den Gebrauch der Sprache verlor. Da dachte sie bei sich selbst: Ach k├Ânnte ich nur den Namen Jesus, in dem das Heil beschlossen ist, aussprechen, dann wollte ich gerne sterben. Als sie den Namen aussprach, wurde sie frisch und gesund und mit solcher Gottesliebe erf├╝llt, dass sie diese Gnade ihr Leben lang nie verga├č.
  • 04
    Als im Jahr 1595, in ihrem 11. Lebensjahr, am Fest Maria Verk├╝ndigung im Schloss ihres Vaters Mulwith ein gro├čer Brand ausbrach, blieb sie unerschrocken im Zimmer und betete mit ihren Schwestern den Rosenkranz, bis ihr Vater kam und sie wegf├╝hrte.
  • 05
    In ihrem 12. Jahr wird Maria abermals von ihren Eltern angehalten, sich mit einem Herrn namens Shafto, der sehr gut beurteilt wurde, zu verm├Ąhlen. Sie schlug die Partie mit k├╝hnem Eifer ab, da sie Gott allein ihrer Liebe w├╝rdig erachtete.
  • 06
    Als Maria 13 Jahre alt war, kam zu ihr der b├Âse Feind zu Pferd in Gestalt des Kammerdieners, der Franziskus Carle hie├č. Er las Maria einen Brief vor, in dem erdichteterweise stand, ihr Herr Vater gebiete ihr ernstlich, die erste heilige Kommunion bis auf weiteres zu verschieben.
  • 07
    Maria bereitete sich nach ├ťberwindung vieler Hindernisse im 13. Lebensjahr mit gro├čem Eifer und mit Andacht auf die erste Kommunion vor. Sie empfing dabei besonderes Licht und Erkenntnis von Gott.
  • 08
    Als Maria dreizehn Jahre alt war und wegen Kriegsgefahr im Haus ihrer Verwandten wohnte, wurde sie mehrere Male angehalten, sich mit einem Kavalier namens Eldrington zu verm├Ąhlen, der sich durch seine vornehme Herkunft und andere gute Eigenschaften auszeichnete. Doch ihr Herz war so von der Liebe Gottes eingenommen, dass sie keiner irdischen Liebe zustimmen wollte. Sie war von der Bedr├Ąngung zu dieser Heirat so mitgenommen, dass sie ernstlich erkrankte und von ihrem Vater nach Hause gebracht wurde.
  • 09
    Als die f├╝nfzehnj├Ąhrige Maria mit ihrer Cousine Barbara Babthorpe beim N├Ąhen sa├č, h├Ârte sie eine gottesf├╝rchtige Frau namens Margareta Garrett ├╝ber eine Ordensperson erz├Ąhlen, die wegen eines ├ärgernisses streng bestraft wurde. Durch diese Erz├Ąhlung erhielt sie eine so klare Einsicht in die Vortrefflichkeit des geistlichen Standes, dass sie den Entschluss fasste, sich einem solchen Stand der Vollkommenheit zuzuwenden.
  • 10
    Als Maria im 16. Lebensjahr die Lebensbeschreibungen der heiligen M├Ąrtyrer las, wurde sie sehr von der Sehnsucht nach dem Martyrium ergriffen. Sie dachte, nur das wirkliche Martyrium k├Ânne ihr Verlangen stillen, bis ihr der Herr innerlich klar gezeigt hat, dass er nicht die leibliche, sondern die geistliche Marter von ihr fordere.
  • 11
    Als Maria meinte, ihr Verlangen nach dem Martyrium habe etwas nachgelassen, f├╝rchtete sie, ihr Mangel an Mitwirkung sei daran schuld, und widmete sich dem Gebet. Gott aber lie├č sie durch eine innere Erleuchtung verstehen, dass jene Marter, die er von ihr fordere, in der vollkommenen Einhaltung der drei evangelischen R├Ąte in einem geistlichen Stand bestehe.
  • 12
    Als Maria zwanzig Jahre alt war, wurde sie von allen ihren geistlichen und weltlichen Freunden vom Eintritt in den geistlichen Stand abgehalten. Deshalb widmete sie sich fast Tag und Nacht dem Gebet und den Bu├čwerken. Innig bat sie Gott, er m├Âge seinen heiligsten Willen an ihr vollbringen, bis ihr endlich jene Worte Christi aufgingen: ÔÇ×Suchet zuerst das Reich Gottes". Sie hatte die Gewissheit, dass Gott ihr beistehe. Die Erkenntnis, die sie erf├╝llte, gab ihr nicht nur damals Mut, sondern auch sp├Ąter in vielen unm├Âglich scheinenden Dingen.
  • 13
    Maria wurde im Jahr 1606, als sie 21 Jahre alt war, nicht nur von ihren Eltern, sondern - um ihre Treue gegen Gott zu pr├╝fen - auch von ihrem Beichtvater gleichsam gezwungen, sich mit einem jungen Mann namens Neville, dem einzigen Erben des uralten Grafengeschlechtes von Westmoreland, zu verm├Ąhlen. Sie aber leistete heldenm├╝tig dem rufenden Gott Folge und nicht den ├ťberredungen der Menschen.
  • 14
    Als Marias Seelsorger im Jahr 1606 in London die heilige Messe las, stie├č er durch ein g├Âttliches Verh├Ąngnis den Kelch um. Das Missgeschick verursachte in ihm eine Sinnes├Ąnderung. Nach dem Ende des heiligen Messopfers reichte sie ihm ehrfurchtsvoll das Handtuch, damit er seine H├Ąnde abtrockne. Tr├Ąnen├╝berstr├Âmt sagte er zu ihr: Ich werde ihr geistliches Vorhaben in Zukunft nicht verhindern. Ich will mich vielmehr bem├╝hen, es zu f├Ârdern. Das geschah auch.
  • 15
    Im Jahr 1606, als Maria 21 Jahre alt war, reiste sie mit Guthei├čung ihres Beichtvaters und Einwilligung ihrer lieben Eltern in Begleitung einer Dame namens Bentley mit dem Schiff nach Saint-Omer. Sie war voll unbeschreiblicher Freude. In Saint-Omer wollte sie in den geistlichen Stand eintreten, nach dem sie sich so lange und innig gesehnt hatte.
  • 16
    Im Jahr 1609, als Maria 24 Jahre alt war, legte sie mit Guthei├čung ihres Beichtvaters, dem sie in allen geistlichen Dingen Gehorsam gelobt hatte, ein Gel├╝bde ab, wieder nach England zur├╝ckzukehren und sich dort standesgem├Ą├č dem Seelenheil der Menschen zu widmen. Ihr Tun brachte reiche Frucht.
  • 17
    In Coldham Hall in England bekehrte Maria eine sehr verm├Âgende, aber ganz in der Ketzerei verstrickte Dame. Gelehrte und geistreiche M├Ąnner hatten sich vergebens um sie bem├╝ht und ihr eifrig zugesprochen. Maria legte ihr die H├Ąnde auf und redete freundlich mit ihr. Das bewirkte eine solche ├änderung, dass die Dame ausrief: Ich will katholisch werden, meine S├╝nden reum├╝tig beichten und erf├╝llen, was zur v├Âlligen Bekehrung geh├Ârt. Das hat sie auch mit gro├čem Eifer noch vor ihrem Tod vollzogen.
  • 18
    Maria f├╝hlte sich von gro├čem Seeleneifer und brennendem Verlangen angetrieben, ihre Tante, Fr├Ąulein Gray, zum katholischen Glauben zu bringen. Sie f├╝hlte sich veranlasst, deswegen anstelle ihrer adeligen Tracht die Kleider ihrer Dienerin anzuziehen, damit sie in London unbekannt und darum ungehinderter mit ihrer Verwandten in einem hierzu verabredeten Haus reden k├Ânne.
  • 19
    Zu London veranlasste Maria ihre Tante, Fr├Ąulein Gray, durch eifriges Zureden, mit dem sie Erfolg hatte, dass diese mit einem Priester der Gesellschaft Jesu ├╝ber die Annahme des wahren Glaubens verhandelte. Am gleichen Ort ├╝berzeugte sie eine verstockte Ketzerin auf dem Totenbett, dass sie sich zu dem allein selig machenden Glauben bekehrte und die heilige Wegzehrung mit Andacht empfing.
  • 20
    Ein vornehmer Herr zu London schickte Maria durch seine Diener feine Speisen. Maria aber war besorgt, und das zu Recht, es mochte ein Fallstrick des b├Âsen Feindes dahinter stecken. Sie schloss sich in ihr Zimmer ein und brachte die ganze Nacht in Gebet und Bu├če zu.
  • 21
    Im Jahr 1609 in London hatte Maria eben ihre Betrachtung beendet, von der sie glaubte, dass sie dieselbe nicht mit gen├╝gendem Eifer verrichtet habe. Um diesen Fehler gutzumachen, nahm sie sich vor, w├Ąhrend sie sich ankleidete, einer adeligen Person, die gern in einen Orden eingetreten w├Ąre, aber die Mittel daf├╝r nicht hatte, die erforderliche Mitgift zu geben. Dabei geriet Maria in Verz├╝ckung und wurde des Gebrauchs aller Sinne und Bewegungen beraubt. Sie erkannte klar, dass es nicht Gottes Wille sei, in einen strengen Orden einzutreten, sondern dass sie zu einem weit vortrefflicheren Stand berufen sei, welcher die Ehre Gottes weit mehr f├Ârdere. Nach Ablauf von zwei Stunden, die ihr kaum eine Viertelstunde zu sein schienen, konnte sie lange Zeit nichts vernehmen als das Wort Gloria.
  • 22
    Durch ihr gutes Beispiel und ihre eifrigen Gespr├Ąche gewann Maria 1609 zu London einige adelige Fr├Ąulein f├╝r den g├Âttlichen Br├Ąutigam. Um den Fallstricken der Welt zu entgehen, reisten sie mit ihr nach Saint-Omer, um unter der Leitung Marias Gott in jenem geistlichen Stand zu dienen, in den sie durch ihr Vorbild gef├╝hrt w├╝rden.
  • 23
    Zu Saint-Omer war Maria in Sorge, dass sie ihren Beichtvater zu innig liebe. Darum betete sie, auf den Boden niedergeworfen, und entschloss sich, ihn und alles zu verlassen, was die Vollkommenheit der g├Âttlichen Liebe mindern k├Ânnte. Da erschien ihr Christus sichtbar wie im Vor├╝bergang und sagte: Du dummes Kind, nicht du, sondern ich habe ihn f├╝r dich auserw├Ąhlt. Dadurch wurde sie ganz getr├Âstet und von aller Sorge v├Âllig befreit.
  • 24
    Als sich Maria im Jahre 1611 in Saint-Omer von einer t├Âdlichen Krankheit einigerma├čen erholte und in ungew├Âhnlicher Ruhe des Herzens zu Bett lag, hat sie ganz deutlich durch eine innere Stimme vernommen, auf welche Weise sie ihr Institut einrichten solle. Das brachte ihr ein so gro├čes Licht, so viel Trost und St├Ąrke, dass sie v├Âllig sicher sein konnte, diese Erkenntnis stamme von der g├Âttlichen Wahrheit, die nicht betr├╝gen kann.
  • 25
    Gott hat Maria in Saint-Omer im Jahr 1615 am Fest Allerheiligen eine gerechte Seele in einer unaussprechlichen Sch├Ânheit gezeigt. In ihr schienen alle Tugenden wie in einer Kette vereint zu sein. Dadurch wurde sie nicht nur alles Irdischen ent├Ąu├čert und ganz mit Gott vereinigt, sondern erhielt auch die wahre Freiheit des Geistes, Gelassenheit, himmlische Weisheit und die F├Ąhigkeit zu allem, was die Vollkommenheit des Instituts erfordert.
  • 26
    Am Fest des heiligen Jakobus 1618 befand sich Maria auf dem Meer. Auf dem Schiff entstand ein gef├Ąhrlicher Aufruhr. Sie rief den heiligen Apostel, ihren besonderen Patron um Hilfe an, die sie zur Verwunderung aller auch erhielt. Darauf bekannte sie, dass sie nie eine Gnade, die sie auf die F├╝rbitte dieses gro├čen Himmelsf├╝rsten von Gott erbeten habe, nicht erhalten h├Ątte.
  • 27
    Gott zeigte Maria, als sie in London die Worte ÔÇ×Du sollst ihm den Namen Jesus geben" betrachtete, eine gerechte und mit gro├čem Glanz ausgestattete Seele und gab ihr klar zu erkennen, dass alle jene, die ihrer Berufung gem├Ą├č in diesem Institut leben, zu einer solch unbeschreiblichen Sch├Ânheit der Seele gelangen werden, weil dieser Stand zur urspr├╝nglichen Gerechtigkeit f├╝hrt und Christus dem Herrn als einem vollkommenen Vorbild aller Tugenden gleichf├Ârmig macht.
  • 28
    Als Maria 1618 ihre S├╝nden mit vielen Tr├Ąnen bereute, gab ihr Gott klar zu erkennen, dass sie f├╝r dieselben in diesem Leben Genugtuung leisten solle. Darum bat sie Gott, den sie nahe f├╝hlte, ihr zu zeigen, auf welche Weise das geschehen solle. Darauf vernahm sie innerlich, sie solle alle Beschwernisse, die die Erf├╝llung seines allerheiligsten Willens mit sich bringen werde, freudig ertragen.
  • 29
    Als Maria einst f├╝r einen Priester, den sie vom schlechten Leben abgezogen hatte, inst├Ąndig betete, weil sie besorgt war, er konnte in eine b├Âse Gelegenheit geraten sein, zeigte ihr Gott in sichtbarer Gestalt seinen heiligen Schutzengel, der an seinem Bett stand und seinen Arm liebreich ├╝ber ihn ausbreitete, als wollte er ihn von aller Gefahr besch├╝tzen; er sprach zu ihr: Siehst du nicht, wie treu ich ihn beh├╝te?
  • 30
    Als Maria im Jahr 1619 in Saint-Omer Gott eifrig f├╝r die Gnade ihrer Berufung dankte, zeigte er ihr klar, dass den Seelen zur Seligkeit zu helfen eine weit vortrefflichere Gabe sei als das kl├Âsterliche Leben, ja selbst das Martyrium.
  • 31
    Als Maria im Jahr 1619 die Berufung der heiligen Apostel meditierte, sah sie, dass diese keine Ruhest├Ątte in Dingen dieser Welt hatten und ihrem g├Âttlichen Lehrmeister v├Âllig zur Verf├╝gung standen. Aus dieser Erkenntnis kam in ihr ein neues Verlangen auf, zur g├Ąnzlichen Selbstverleugnung zu kommen. Sie fand sich pl├Âtzlich in einer vollen Freiheit und Gel├Âstheit von allen irdischen Dingen, von der Welt und den Gesch├Âpfen.
  • 32
    Im Jahr 1619 versp├╝rte Maria eine Beunruhigung in sich, ohne Leiden, M├╝he und Widerw├Ąrtigkeit zu leben. Sie meinte, dass durch diese Bedr├Ąngnisse ihre Seele reiner und ihre Bu├če Gott wohlgef├Ąlliger w├╝rden. Als sie ihm im heiligsten Sakrament des Altares dieses vortrug, zeigte er ihr klar, dass ihm diese Beunruhigung nicht gefalle, da in dieser Begierde zu leiden ihr eigener Wille verborgen liege, von dem er sie v├Âllig frei haben wolle. Darum wollte sie sich ihm g├Ąnzlich ├╝bergeben und alles, wie es kommt, von seiner Hand annehmen.
  • 33
    Bei einer Betrachtung in L├╝ttich im Jahr 1619 zeigte Gott Maria klar, wie viele verdammt und wie wenige selig werden. Er gab ihr zu erkennen, dass die einzige Ursache ihrer Verdammnis im Fehlen der Mitwirkung mit jenen Anregungen liegt, die er ihnen verlieh. Mit ihnen h├Ątten sie die ewige Seligkeit erlangen k├Ânnen, da allein ihr freier Wille die H├Âllenglut zum Brennen bringt.
  • 34
    Als Maria am 10. Oktober 1619 in den geistlichen Exerzitien in der Betrachtung Gott mit tiefer Demut und gro├čem Vertrauen nach dem Geheimnis seines Wesens fragte, sah sie ihn unmittelbar klar in ihr Herz eingehen. Sie erhielt die Erkenntnis, die sie von ihm erbeten hatte.
  • 35
    1619 zeigte Gott Maria in L├╝ttich in der Sankt-Martins-Kirche vor dem Kruzifix klar, dass das Institut zwar der Gesellschaft Jesu nicht v├Âllig unterworfen sein solle, aber notwendig von ihr geleitet werden m├╝sse, damit es im wahren Geist erhalten werde und auf keine Weise davon abweiche.
  • 36
    Im Jahr 1624 erflehte Maria seiner Eminenz, Kardinal de Trescio, die rasche Genesung von einem sehr gef├Ąhrlichen Fieber. Sie erhielt die Hilfe durch eine Wallfahrt und das f├╝nfst├╝ndige Gebet, das sie vor der wundert├Ątigen Muttergottes auf dem Berg Giovino f├╝r ihn verrichtete.
  • 37
    Als Maria 1625 auf der Reise betete, gab ihr Gott die Vortrefflichkeit des Ordensstandes zu erkennen; es wurde ihr klar, dass dessen St├Ąrke nicht in zeitlicher Macht, sondern in Gott allein bestehe. Sie sah, dass vor seiner Hoheit alle Gewalt der Gesch├Âpfe zerschmilzt und in einem Augenblick zunichte wird.
  • 38
    Als Maria 1625 in Rom am Fest des heiligen Petrus von den Ketten das Institut innig Gott empfahl, erkannte sie klar, dass dessen Wohlfahrt, Fortgang und Sicherheit nicht in Reichtum, hohem Ansehen und F├╝rstengunst bestehe, sondern darin, dass seine Mitglieder einen freien und offenen Zugang zu Gott haben, von dem alle St├Ąrke, Licht und Schutz herkommen muss.
  • 39
    Als Maria 1625 in Rom in der Kirche des heiligen Hieronymus von der Liebe vor dem - im hochw├╝rdigsten Gut verborgenen - Gott innig betete und ihn dem├╝tig bat, er m├Âge sie erkennen lassen, wie sie das Leiden am n├╝tzlichsten ertragen solle, vernahm sie innerlich ganz deutlich, sie werde ihm die gr├Â├čte Freude bereiten, wenn sie an demselben ein Wohlgefallen habe.
  • 40
    Als Maria am 11. April 1625 in Rom in der Kirche Maria dell'Orto (Maria vom Garten) vor dem h├Âchsten Gut klar einsah, dass sie g├Ąnzlich nichtig und in Gott alles ist, wurde sie so in seine Liebe versenkt, dass sie v├Âllig von sich ent├Ąu├čert war und in ihm allein ruhte. Durch den hellen Glanz der Strahlen, die vom hochw├╝rdigsten Sakrament auf ihr Angesicht schienen, blieb sie eine geraume Zeit des leiblichen Sehens beraubt.
  • 41
    Maria empfing am 26. Juni 1625 in der Kirche Sant'Eligio in Rom vor dem heiligsten Sakrament ein solches Licht und eine solche Erkenntnis von Gott ├╝ber die Verzeihung von Beleidigungen, dass sie dadurch ihre Feinde lieb gewann und best├Ąndige Freunde nannte, die f├╝r ihren himmlischen Gewinn sorgten.
  • 42
    Als Maria 1626 in San Marco in Rom f├╝r das Institut betete, f├╝hrte ihr Gott die Worte Christi zu Gem├╝t: ,K├Ânnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?" und zeigte ihr, wie gro├če Widerw├Ąrtigkeiten, Verfolgung und Beschwerden sie auszustehen habe, wenn sie seinen heiligsten Willen ausf├╝hren werde. Maria war mit Freuden bereit, diese auf sich zu nehmen.
  • 43
    Maria kam am heiligen Abend sp├Ąt in Feldkirch in Tirol an. Obwohl es bitterkalt und sie von der Reise sehr erm├╝det war, verharrte sie unbeweglich von 8 Uhr abends bis 3 Uhr morgens in der Pfarrkirche, ganz in Gott versenkt.
  • 44
    Als Maria am Weihnachtstag 1626 in Feldkirch dem Gottesdienst in der Kapuzinerkirche besuchte und den neugeborenen Heiland eifrig um die Bekehrung des K├Ânigs von England bat, zeigte ihr Gott klar die unendlich zarte Liebe, mit der er ihn umfange und ewig als Miterben seiner Glorie haben wolle, dass es aber an seiner Mitwirkung fehle.
  • 45
    Als Maria im Jahr 1626 zum ersten Mal nach M├╝nchen reiste, sagte sie nahe beim Isarberg aus der Erkenntnis, die ihr Gott im Gebet verliehen hatte, zu ihren Gef├Ąhrtinnen, dass seine kurf├╝rstliche Durchlaucht ihnen in seiner Residenzstadt eine bequeme Wohnung und eine j├Ąhrliche Unterst├╝tzung geben werde. Das wurde bald nach ihrer Ankunft Wirklichkeit.
  • 46
    Im Jahr 1626 war Maria ganz betr├╝bt, weil eine der Ihrigen ihre Berufung aufzugeben gedachte. Sie verf├╝gte sich zum Gebet und empfahl das Institut Gott und der Muttergottes. Dabei wurde ihr klar gezeigt und zu erkennen gegeben, wann und durch wen es best├Ątigt werde, und dass dieses geschehe, wenn man es am wenigsten erwarte.
  • 47
    Als Maria einst an einem gro├čen Geldmangel litt, begab sie sich zum Gebet, um eine gewisse Summe von Gott zu erbitten. Gott fragte sie innerlich, aber ganz deutlich: Ist diese Summe besser als meine Vorsehung? Da erkannte sie klar, dass sie in Zukunft alle zeitlichen Mittel f├╝r gering, die g├Âttliche Vorsehung aber f├╝r ihren wahren Reichtum halten m├╝sse.
  • 48
    Als Maria eines ihrer H├Ąuser besuchte, gab ihr Gott zu erkennen, dass eine Novizin an starken Anfechtungen bez├╝glich ihrer Berufung litt. Alles kam ihr hart und beschwerlich vor. Daher sprach ihr Maria liebreich zu: Liebes Kind, die Tugend ist nur denen schwer, die sie f├╝r schwer ansehen; dein Weg in den Himmel besteht darin, alles von der Hand Gottes anzunehmen und ihn allein in allem zu suchen. Durch die wenigen Worte wurde die Novizin ganz ruhig und von aller Anfechtung frei.
  • 49
    Gott zeigte Maria in Saint-Omer eine vortreffliche, aber ihr unbekannte Person, die mit bisch├Âflichen Kleidern angetan war. Er wies sie darauf hin, dass dieser zwar ein Fremder, aber ein Freund ihres Institutes sei.
  • 50
    Gott zeigte Maria in Saint-Omer eine gro├če Glorie und sprach zu ihr: Sei unverzagt, du wirst in K├╝rze sterben, und dein Lohn wird gro├č sein.