Gabriele Netal‑Backöfer aus Bamberg (Deutschland) ist Religions- und Musikpädagogin und Autorin geistlicher Musikprojekte. In ihrem musikalischen Spiel( Musical) „… die Stimme des Anfangs hören“ verbindet sie die Lebensgeschichte von Maria von Magdala mit der Biografie von Mary Ward. Das Stück wurde bereits mehrfach aufgeführt, zuletzt beim Katholikentag in Würzburg im Mai 2026.
Wir freuen uns sehr, dass die Autorin und Komponistin uns die Videoaufzeichnung dieser Aufführung zur Verfügung stellt und danken ihr von Herzen für ihr Schaffen und ihre Großzügigkeit.
Um denen, die das Werk noch nicht kennen, einen schnelleren Zugang zu ermöglichen, haben wir Frau Netal-Backöfer zu den Hintergründen der Entstehung gefragt.
Frau Netal-Backöfer, wie ist die Idee entstanden, Maria Magdalena und Mary Ward in einem musikalischen Stück miteinander zu verbinden?
Auslöser war eine Ausstellung mit dem Titel „Frauen-Taten-Werke“ Da haben Künstlerinnen zu besonderen Frauen der Kirchengeschichte beeindruckende Kunstwerke geschaffen. Die Frauenpastoral der Erzdiözese Bamberg hat diese Ausstellung konzipiert und sie wurde ein großer Erfolg. Zur Eröffnung sollte es ein Rahmenprogramm geben und die Verantwortlichen haben mich angefragt, ob ich ein Musikprojekt realisieren könnte, in dem zwei Frauen aus der Ausstellung näher beleuchtet würden. Da habe ich mich für Maria von Magdala entschieden, mit der ich schon lange innerlich unterwegs bin und für Mary Ward, zu der ich bereits früher Lieder und Texte geschrieben hatte.
Maria aus Magdala hat sozusagen die „Ur-Erfahrung“ mit Jesus, seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung gemacht. Mary Ward hat aus einer ebenso authentischen und ursprünglichen Christuserfahrung heraus ihre Lebensspur gefunden. Beide sind als Frauen ganz neue, unbekannte Wege gegangen, beide haben „die Stimme des Anfangs“ gehört!
Wann und auf welchem Weg sind Sie Mary Ward zum ersten Mal begegnet – vielleicht durch Lektüre, eine Gemeinschaft der Congregatio Jesu, eine Maria-Ward-Schule oder einen konkreten Ort/eine Person?
Tatsächlich war es ein Kinderbuch!
Im Rahmen einer früheren Ausstellung „das weibliche Gesicht der Kirche“ hat ein Tag mit neuen geistlichen Liedern stattgefunden und ich sollte ein Mini-Musical für Kinder schreiben. Da ist mir eben dieses Kinderbuch von Birgit Stollhoff in die Hände gefallen. Darin hat sie zusammen mit einer Künstlerin die Geschichte von Mary Ward so anschaulich und eindrücklich aufbereitet, dass ich sofort Lust bekam, daraus ein Bühnenstück für Jugendliche zu machen. In Rücksprache mit Frau Stollhoff habe ich damit begonnen, es aber dann aufgrund einer längeren Krankheit einige Jahre liegen lassen – bis dann eben die Anfrage der Frauenpastoral kam. Daraufhin habe ich mir dann natürlich noch „erwachsene Literatur“ besorgt und mich vertieft in Mary Wards Leben eingelesen.
Was fasziniert Sie am meisten an Mary Ward, ihre Spiritualität, ihr Mut, ihr Blick auf Bildung, oder etwas ganz anderes?
Mary Ward fasziniert mich in vielerlei Hinsicht:
- Es beeindruckt mich, wie sie immer an dem festhielt, was sie als wahr und echt erlebt hat und wie sie ihrem inneren Auftrag treu geblieben ist. Es hat mich aber auch erschüttert, wie unendlich viel Gegenwind diese jungen Frauen bekommen haben, nur weil sie eigene Visionen davon hatten, wie sie leben möchten.
- Ich bewundere Mary Wards Energie, mit der sie all diese riesigen Strecken überwunden hat – über die Alpen im Winter …!!
- Berührt bin ich von dem Selbstbewusstsein dieser ganzen Frauengruppe: was sie sich zugetraut haben und wie sie mehr waren, als einfach Freundinnen – Gefährtinnen eben!
- Manche Aussagen von Mary Ward haben mich sehr angesprochen und ich habe mich daran orientiert: ihre Unabhängigkeit von Erfolg oder Misserfolg, oder dass sie Gott als freigiebig schildert, weil er immer wieder „Nachschub schickt“ und „Mittel bereitstellt“, um das Leben zu bestehen. Und wie sie vom liebenden Blick Gottes spricht und von der überströmenden Liebe, die sich in allem Lebendigen zeigt.
- Nicht zuletzt, dass sie wesentlich dazu beigetragen hat, das Potential von Mädchen und Frauen weiter zu entfalten …
Welche Botschaft oder welches Gefühl möchten Sie den Zuschauer:innen mitgeben, wenn diese Ihr Stück jetzt als Video sehen?
Da ist viel Freude, Freundschaft und Aufbruch – besonders bei den jungen Gefährtinnen! Wir hatten selbst beim Einüben und Spielen so viel Spaß, hoffentlich kommt etwas davon auch bei den Zuschauer*innen an!
Ich möchte in dem Stück auch zeigen, wie wertvoll es ist, wenn Frauen ihren Reichtum entfalten und das tun wozu sie fähig sind. Für die Welt ist es so wichtig, dass wir uns einbringen!
Ich gebe aber zu, dass ich auch ein bisschen von meiner Empörung darüber ausdrücken möchte, wie die Kirche immer wieder mit Frauen umgegangen ist – und es bis heute tut…. Gegen Ende überwiegt das Vertrauen. Da konnten sich auch im Ensemble viele wiederfinden: gerade wenn man älter ist und das Leben auch so manche Brüche hatte – dass alles in Gott aufgehoben ist und er vielleicht ganz anders darauf blickt….
Gab es beim Schreiben oder bei den bisherigen Aufführungen einen Moment (Szene, Lied, Reaktion aus dem Publikum), der Sie besonders berührt hat – und wenn ja, warum?
Es gab so viele besondere Momente!
Der ganze Schreibprozess war berührend! Ich habe alles, was ich schrieb „durchspürt“. Es war für mich ein geistlicher Weg, der mich selbst mitgenommen und verändert hat.
Ich konnte ehrlich gesagt überhaupt nicht einschätzen, ob und wie das Stück ankommen würde, es war ein großes Wagnis. Aber dann waren die Reaktionen bei der Uraufführung so überwältigend! Da habe ich Vertrauen gefasst und mich auf den dann folgenden Prozess eingelassen.
Bei der Uraufführung gab es großes Gelächter und einen spontanen Zwischenapplaus in der „Frauenrede“ bei dem Satz: „ …. aber in der Unvollkommenheit unterscheidet uns nichts von den Männern“. Da kam so viel Lebendigkeit und Resonanz aus dem Publikum!
Überwältigend war auch, wie viele Leute Töpfe dabei hatten, um vor dem „Vatikan“ zu demonstrieren!! Es war ein Riesen-Radau im Dom. Herrlich!!
Beim Lied „Bis über beide Ohren im Vertrauen“ ist plötzlich ein Lichtstrahl quer durch den Bamberger Dom gefallen und hat mich eingeladen, mich einfach hineinzustellen. Das war soo schön!
Auch das gemeinsame Singen und Musizieren in der Band fand ich sehr berührend!
Und zu sehen, wie alle ihre Rollen gespielt haben und über sich hinaus gewachsen sind! Viele haben sich auch geistlich auf das Stück eingelassen und so war es für mich eine großartige Erfahrung von Gemeinschaft und Mitgetragen-Sein.
Nicht zuletzt war das Ganze auch ein Familienereignis, denn im Ensemble haben acht Mitglieder unserer Groß – Familie mitgewirkt – und die Restlichen saßen immer wieder mal im Publikum…das hat uns noch tiefer miteinander verbunden!
Dass das Stück jetzt solche Resonanz findet, empfinde ich als großes Geschenk und ich fühle mich beiden Frauen – Maria von Magdala und Mary Ward immer wieder sehr nahe. Ich bin froh, dass ich dazu beitragen konnte, etwas von ihnen lebendig zu machen – und wer weiß, vielleicht hatten sie auch ein bisschen „ihre Hände im Spiel“….?!
Video mit Untertiteln in verschiedenen Sprachen
Für alle, die die deutschen Texte besser verstehen möchten, gibt es hier die Möglichkeit, Untertitel zu aktivieren und diese automatisch übersetzen zu lassen.
